Urologische Auffälligkeiten bei meinem Vater

Im Jahr 2018 stand bei meinem Vater eine Operation bevor. Er hatte Schwierigkeiten beim Wasserlassen, und sein Urologe hatte ihm zu einer Operation geraten. Gleichzeitig stand der Verdacht auf Prostatakrebs im Raum – zumindest war es das, was mir meine Mutter zu diesem Zeitpunkt erzählt hatte.

Für mich war dieser Gedanke zunächst überhaupt nicht annehmbar. Irgendetwas in mir sagte ganz klar: Das kann nicht sein. Trotzdem habe ich mich damals mit Frau Ehrenhardt darüber unterhalten. Sie sagte zu mir etwas, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist: „Wir wissen nur die Wahrheit, dass Gott immer vollständig ist. Gott macht keinen Fehler. Gott kennt keinen Krebs. Gott ist das reine, vollkommene Sein.“

Ich fragte sie daraufhin: „Ja, und was tun wir jetzt damit?“ Ihre Antwort war ganz einfach: Wir sollten uns nicht mit den Aussagen und Befürchtungen auseinandersetzen, sondern uns konsequent an der Wahrheit festhalten. Wenn nur Gott ist, dann ist auch nur Gott.

Dieser Gedanke hat mir damals sehr geholfen. Ich habe versucht, mich nicht von Angst und Vorstellungen bestimmen zu lassen, sondern bei dieser Wahrheit zu bleiben.

Schließlich fuhr ich meinen Vater zur Universitätsklinik nach Frankfurt. Dort wurde uns erklärt, wie der Eingriff ablaufen sollte. Man sagte uns, wir könnten am Nachmittag anrufen und – je nachdem, wie alles verlaufen würde – könnte mein Vater möglicherweise sogar schon wieder nach Hause.

Als wir am Nachmittag in der Klinik anriefen, hieß es zunächst: „Er ist noch im OP.“ Meine Mutter wurde daraufhin sehr unruhig und befürchtete sofort das Schlimmste. Auch wir mussten uns in diesem Moment wieder ganz bewusst daran erinnern, woran wir uns festhalten wollten.

Am frühen Abend riefen wir erneut an. Diesmal bekamen wir die Nachricht, dass mein Vater bereits aus dem OP gekommen sei. Er sei noch etwas benommen, und man fragte uns, wie lange wir brauchen würden, bis wir ihn abholen könnten.

Also fuhren wir hin. Was die Ärzte schließlich festgestellt hatten, war etwas völlig anderes als das, was zuvor befürchtet worden war: Es handelte sich lediglich um eine Hautverwachsung, die gelöst beziehungsweise entfernt wurde. Es gab keinen Krebs und keinen Tumor.

Mein Vater konnte wieder mit uns nach Hause.

Für mich war dieses Erlebnis sehr prägend. Nicht nur wegen des Ausgangs der Operation, sondern vor allem wegen der Erfahrung, wie entscheidend es sein kann, worauf man seine Gedanken richtet. Frau Ehrenhardt hat mir damals nicht gesagt, was passieren würde. Sie hat mir auch keine eigene Vorstellung übergestülpt. Sie hat mich vielmehr immer wieder auf die eine Wahrheit zurückgeführt, an der ich mich selbst festhalten konnte: dass Gott vollkommen ist und dass diese Vollkommenheit die eigentliche Wahrheit über den Menschen ist.

Diese Erfahrung ist mir bis heute in besonderer Erinnerung geblieben.

U. Schöfend